Archiv für den Monat: November 2014

Diamanten, ihren Schliff und Entwicklung

Obgleich Diamanten schon mehrere tausend Jahre bekannt sind, erfolgte die Bearbeitung zur Erhöhung des optischen Effektes erst im 13. Jahrhundert.

Zuvor wurden Rohsteine benutzt, deren Kanten allenfalls abgeschliffen wurden, um die Optik zu erhöhen. Nun aber erfolgt ein abschleifen bzw. polieren der geraden Flächen des Oktaeder mit größerer Sorgfalt. Es entsteht der wirklich erste Brillantschliff des „Spitzstein“, benannt nach der kristaline Form. Dieser Schliff markiert den Anfang einer Schleifentwicklung, an deren Ende der moderne Brillantschliff steht.

Im 14. Jahrhundert entwickelt sich der sogenannte Dickstein, auch Tafelstein genannt. Es ist ein Oktaeder Kristall mit einer oberen großen Tafel und einer kleineren Fläche an der unteren Spitze, auch Kalette genannt.

Die entwickelte Schleifscheibe gegen Ende des 15. Jahrhundert ermöglicht es nun, dass die Facetten wesentlich verbessert werden. Durch die neue Technologie des Schleifens werden immer mehr Facetten geschliffen, um die optische Wirkung des Diamanten weiter zu steigern.

Im 16. Jahrhundert entwickelt sich der „Dickstein“ weiter. Aus diesem „Tafelstein“ entsteht ein Facettenstein mit mehreckiger Tafel. Die vier seitlichen Kanten des Ober- und Unterteils werden zu je einer Facettenfläche  abgeschliffen. Es entstehen 18 Facetten, einschließlich der Spitzfläche („einfaches Gut“).
Das sogenannte „zweifaches Gut“ beim Diamanten entsteht durch das Anlegen weitere Facetten über den seitlichen Kanten mit 34 Facetten und einer geschliffenen Rundiste. Dieser Schliff, auch Mazarin Schliff genannt, soll um 1650  auf Empfehlung des französischen Kardinals Mazarin zurückgehen.

Vicenzio Peruzzi, ein venezianischer Schleifer soll angeblich der Entwickler des Diamant Schliff mit 58 Facetten sein. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts soll er diesen Schliff entwickelt haben und damit quasi einen Quantensprung im schleifen von Diamanten eingeläutet haben. Der Grundriss bzw. die Rundiste, als auch die eigentlichen Facetten sollen nicht ganz regelmäßig sein, jedoch bekommt der Schliff das „Dreifache Gut“, oder „Peruzzi Schliff“ und kommt dem modernen Schliff mit 58 Facetten sehr nahe.

Die Vollendung des Brillantschliff erfährt der Diamant jedoch gegen 1910 aus dem sogenannten Altschliff des 19. Jahrhunderts. Die Merkmale des Diamant Schliff sind eine kreisrunde Rundiste, 32 Facetten und die Tafel im Oberteil, mindestens 24 Facetten, sowie ab und an eine Rundiste.

Brillant, oder Brillanten dürfen sich nur Diamanten mit einem bestimmten Schliff nennen. Es darf sich in diesem Fall nur der runde Diamant mit Brillantschliff sein. Alle anderen Arten müssen entsprechend bezeichnet sein/werden.
In der Alltagssprache werden von Laien meist alle geschliffenen Diamanten als Brillanten bezeichnet, auch welche ohne Brillantschliff. Oft findet auch eine Verwechslung der Begriffe Brillant und Diamant statt. Sie werden synonym genutzt.

Moderne Schliffe von Diamanten erfolgen auf mathematischen Grundlagen und aus der praktischen Erfahrung. So wurden mehrere moderne Brillantschliffe entwickelt.
Die geläufigsten Schliffe für Brillanten sind der sogenannte Tolkowsky Brillant (1919), benannt nach dem Mathematiker und Gemmologen Marcel Tolkowsky. Bei diesem Schliff gibt es eine gute Lichtausbeute und beste Brillanz. Der Tolkowsky Brillant Schliff  ist heute in den USA Grundlage der Schliffgraduierung.
Der „Ideal Brillant“ nach Johnson & Rösch von 1926. Dieser Brillant Schliff soll nicht vorteilhaft sein. Er hat keine große Brillanz und wirkt zu unförmig.
Der „Feinschliff-Brillant“ nach Eppler 1949. Im Deutschland Grundlage der Schliffgraduierung werden die Proportionen an geschliffenen Diamanten mit bester Brillanz errechnet.
Parker Brillant (1951, Parker). Gute Lichtausbeute, aber auf Grund des zu flachen Oberteils geringe Dispersion und entsprechend mangelhaftes Farbenspiel..
Skandinavischer Standard-Brillant etabliert um 1962. Dieser Brillantschliff dient in Skandinavien als Voraussetzung für die Graduierung von Diamanten. Die Werte werden von geschliffenen Diamanten gewonnen.
Brillanten mit mehr Facetten als normalerweise üblich sind u.a.

  • King Schliff von 1941 mit 86 Facetten
  • Magna Schliff von 1949 mit 102 Facetten
  • Highlight Schliff von 1963 mit 74 Facetten
  • Princess-144-Schliff von 1965 mit 146 Facetten
  • Radiant Schliff von 1980 mit 70 Facetten

 

 

Diamantenhandel in Antwerpen im Wandel?

Jahrzehntelang prägten orthodoxe Juden in Antwerpen den Diamantenhandel.

Sie handelten und bestimmten den Diamantenhandel in Antwerpen. Nun scheint es, als ob indische Diamantenhändler den „alteingesessenen“ Orhodoxen den Rang ablaufen würden. Mehr und mehr bestimmen indische Händler den Diamantenhandel in Antwerpen.

Antwerpen gilt als das weltweite Zentrum für den Diamantenhandel. Über achtzig Prozent der Rohdiamanten, sowie über fünfzig Prozent geschliffener Diamanten werden dort gehandelt, mehr als an jeder anderen Diamantenbörse der Welt.

Diamanten im Wert von über 26 Mrd. Dollar wurden allein 2012 aus der Stadt exportiert.
Laut Aussage der Migrationsforscherin Kathryn Lum hätten vor einer Generation noch Türschilder mehrheitlich jüdische Namen getragen. Nun scheint sich ein Trend abzuzeichnen, dass sich immer mehr indische Namen durchsetzen, vorzugsweise aus den indischen Bundesstaat Gujarat.
Lum hat die indische Gemeinschaft in Antwerpen untersucht. Anfang der 1960er Jahre kamen die ersten Inder aus Gujarati nach Antwerpen, die Palanpuri Jains. Sie gehörten in Indien bereits einer erfolgreichen Kaufmannsklasse an, die bereits im polieren von Diamanten Erfahrungen machen konnten.
Ihnen folgten die sogenannten Kathiawadi Patels, die einst Bauern in Indien waren, jedoch durch widrige klimatische Umstände ins Diamantenzentrum Durat kamen.
Die Patels schlossen Kontakte mit den Jains, um in Europa Fuß fassen zu können. Mittlerweile machen die Patels ihren einstigen Helfern Konkurrenz.
„Die Diamantenindustrie kann keine Verträge auf Papier geltend machen“ so Lum. Diamanten sind klein und transportabel, überall wertvoll und nicht nachvollziehbar.
Diamanten und ihr Handel beruhe vorallem auf Vertrauen, weshalb Gemeinschaften und Beziehungen zu Familienunternehmen gepflegt werden. Diese „soziale Kontrolle“ sind das Fundament der orthodoxen Gemeinschaft gewesen.

Die indischen Händler können auf ähnliche soziale Strukturen setzen und aufbauen, um Vertrauen und Kontrolle zu schaffen. Verstärkt wird diese soziale Bindung noch durch den Umstand, dass innerhalb eigenen volkszugehörigen Gruppen geheiratet wird und somit in einem engen sozialen und solidarischem Netzwerk der Handel mit Diamanten bleibt.
Um sich im Bereich des Diamantenhandels zunächst etablieren zu können, fuhren die Jains anfangs die Strategie, sich auf kleinere, weniger wertvolle Diamanten zu konzentrieren.

Heutzutage gehören die indischen Diamantenhändler zu den tragenden Pfeilern der Diamantenindustrie Antwerpens.
„2012 seien laut Lum sechs neue Mitglieder ins Board des Antwerp World Diamond Centre eingezogen – fünf davon seien Gujarati gewesen.“

Diamantenhandel

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