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Diamantenhandel in Antwerpen im Wandel?

Jahrzehntelang prägten orthodoxe Juden in Antwerpen den Diamantenhandel.

Sie handelten und bestimmten den Diamantenhandel in Antwerpen. Nun scheint es, als ob indische Diamantenhändler den „alteingesessenen“ Orhodoxen den Rang ablaufen würden. Mehr und mehr bestimmen indische Händler den Diamantenhandel in Antwerpen.

Antwerpen gilt als das weltweite Zentrum für den Diamantenhandel. Über achtzig Prozent der Rohdiamanten, sowie über fünfzig Prozent geschliffener Diamanten werden dort gehandelt, mehr als an jeder anderen Diamantenbörse der Welt.

Diamanten im Wert von über 26 Mrd. Dollar wurden allein 2012 aus der Stadt exportiert.
Laut Aussage der Migrationsforscherin Kathryn Lum hätten vor einer Generation noch Türschilder mehrheitlich jüdische Namen getragen. Nun scheint sich ein Trend abzuzeichnen, dass sich immer mehr indische Namen durchsetzen, vorzugsweise aus den indischen Bundesstaat Gujarat.
Lum hat die indische Gemeinschaft in Antwerpen untersucht. Anfang der 1960er Jahre kamen die ersten Inder aus Gujarati nach Antwerpen, die Palanpuri Jains. Sie gehörten in Indien bereits einer erfolgreichen Kaufmannsklasse an, die bereits im polieren von Diamanten Erfahrungen machen konnten.
Ihnen folgten die sogenannten Kathiawadi Patels, die einst Bauern in Indien waren, jedoch durch widrige klimatische Umstände ins Diamantenzentrum Durat kamen.
Die Patels schlossen Kontakte mit den Jains, um in Europa Fuß fassen zu können. Mittlerweile machen die Patels ihren einstigen Helfern Konkurrenz.
„Die Diamantenindustrie kann keine Verträge auf Papier geltend machen“ so Lum. Diamanten sind klein und transportabel, überall wertvoll und nicht nachvollziehbar.
Diamanten und ihr Handel beruhe vorallem auf Vertrauen, weshalb Gemeinschaften und Beziehungen zu Familienunternehmen gepflegt werden. Diese „soziale Kontrolle“ sind das Fundament der orthodoxen Gemeinschaft gewesen.

Die indischen Händler können auf ähnliche soziale Strukturen setzen und aufbauen, um Vertrauen und Kontrolle zu schaffen. Verstärkt wird diese soziale Bindung noch durch den Umstand, dass innerhalb eigenen volkszugehörigen Gruppen geheiratet wird und somit in einem engen sozialen und solidarischem Netzwerk der Handel mit Diamanten bleibt.
Um sich im Bereich des Diamantenhandels zunächst etablieren zu können, fuhren die Jains anfangs die Strategie, sich auf kleinere, weniger wertvolle Diamanten zu konzentrieren.

Heutzutage gehören die indischen Diamantenhändler zu den tragenden Pfeilern der Diamantenindustrie Antwerpens.
„2012 seien laut Lum sechs neue Mitglieder ins Board des Antwerp World Diamond Centre eingezogen – fünf davon seien Gujarati gewesen.“

Diamantenhandel

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